Wie der Wassermann die POP ART erfand
- eine Kunstrichtung entsteht
01.12.2025 –
Peter Kern

Was ist Pop Art? Wann ist sie entstanden? Warum sind diese oft grellbunten Bilder bis heute so beliebt? Und ist sie astrologisch erfassbar und erklärbar?
Seit 2019 betreue ich den Medienbereich einer großen Kunstgalerie in Regensburg. Dort wird Moderne Kunst gezeigt, Kunst der Gegenwart, aber auch Werke aus der späteren Nachkriegszeit. 2025 stellte die Galerie erstmals
originale Werke der Pop Art aus. Für Regensburg ist das eine großartige Sache. Einmal vor einem echten Warhol stehen können, einem Lichtenstein oder Wesselmann. Dafür muss man ansonsten schon in Metropolen reisen.
Als Astrologe, Verleger, Schreiber und Archäologe vertiefe ich mich dann immer gerne in die Zeit der Entstehung der Werke. Ich will wissen, was sich hinter den Werken verbirgt, warum sie in die Zeit kamen und noch heute so beliebt sind.
Aus heutiger Sicht wirkt
Pop Art etwas trivial. Sie zeigt Alltagsgegenstände, Comic-Figuren, schrille Farben und Lautmalerei oder
Onomatopoesie. Befasst man sich mit dieser Kunstrichtung, wird aber schnell klar, dass sie sich nicht ohne Grund in den späten 50ern entwickelt hat. Wie soll man eine gemalte Suppendose als Kunstwerk betrachten und verstehen, ohne den zeitlichen Entstehungsrahmen zu kennen? Wie konnte aus Comic-Zeichnungen anerkannte Kunst werden? Warum ist es aufregend, wenn Lichtenstein ein Comic-Pärchen zeigt, das sich küsst und Warhol alles und jeden plakativ vervielfältigt?
Abbildungen kann ich hier leider nicht zeigen, weil diese Werke alle mit einem strikten Urheberrecht geschützt sind. Selbst Links auf die Werke im Internet stehen unter strengem Copyright.
Zur Geschichte der Pop Art:
In den 1950er Jahren war der Krieg vorbei. Die Gesellschaften entwickelten sich etwas steif voran. Für Herren war der Diener zur Begrüßung angesagt, für die Damen der Knicks. Das hat schon was, aber es ist auch ein sehr braves Leben, sehr bieder, sehr nach Vorschrift gelebt. Die grauen Kostüme der Frauen und das Bild der Männer mit Gehstock konnte nicht allzulange im Zeitbild bleiben. Und genau in diese Zeit bricht die Pop Art ein. Mit
leuchtenden Farben, mit der Konservendose als Kunstobjekt, mit schrillen Sprechblasen. Nicht mehr der Solitär des Unikats brachte die Qualität, sondern die Quantität, die Reproduktion. Die Sehgewohnheiten des Publikums wurden ordentlich auf den Kopf gestellt, durchbrochen, herausgefordert. Der abstrakte Realismus wurde von klaren, plakativen Flächen abgelöst. Nicht mehr das impressionistisch Gemälde war gefragt, nicht mehr die Abstraktion, sondern die Herausforderung.
Als Astrologe interessiert mich natürlich immer, ob ein Zeitpunkt zu finden ist, an dem eine Bewegung so stark wurde, dass sie nicht mehr aufzuhalten war.
Mitte der fünfziger Jahre wechselte der langsame Planet Pluto -
Hitlers Machtstern - aus dem Tierkreiszeichen Löwe in das Zeichen Jungfrau. Dieser Pluto hatte fast zwanzig Jahre lang den Löwen, also das Leben schlechthin, im Griff. Machne übersetzen es mit der
Transofrmation des Lebens, tatsächlich ist es nichts, als die
Verhinderung von Leben. Ab 1957 ging er daran, die
Lebensumstände im Jungfrau-Zeichen zu verändern. Dadurch wurde Lebendigkeit, Spaß am Spiel, Lust und Leidenschaft wieder freigesetzt. Leid, Not und Ernst konnten wieder in den Hintergrund treten. Das ist eine astrologische Vorbedingung für die freche Kunst jener Zeit.
Mitte der sechziger Jahre bildete sich die oft zitierte Konjunktion von
Uranus-Pluto. Sie sorgte für die endgültige Befreiung von den Zwängen der Altvorderen. In diese Jahre fällt die sexuelle Revolution, die musikalische Beat- und Popkultur, Pilzköpfe statt strengem Scheitel, die Hippie-Bewegung mit Love, Peace and Happiness, Friedensbewegungen und nicht zuletzt die Frauenbewegung. Alles Alte musste weg. Auch in der bildenden Kunst.
Uranus-Pluto bringt immer einen
Generationenumbruch.
Der vorherige Aspekt der zwei Planeten fand Anfang der 1930er Jahre statt. Pluto wurde erst 1930 am Himmel entdeckt. Damals war Pluto im Krebs und Uranus im Widder. Uranus wurde durch das Widder-Zeichen aggressiv und nervös. Pluto hatte es auf die Familien abgesehen, die Heimat stand zur Vernichtung bereit. Das sind alles keine Spaß-Betrachtungen, wenn man aus dem brennenden Haus fliehen muss, oder von Soldaten eingesammelt und kaserniert wird. Ab ins Zwangslager - wahrscheinlich eines der übelsten Bilder dieser Konstellation. Pluto ist der Zwang, Krebs die Heimat, das Lager. So wird aus einem gemütlichen Kissen am Kachelofen eine Pritsche in einer eiskalten Holzbaracke.
Ja, liebe Astrologie-Gemeinde, die ihr Pluto immer als den großen "Transformationsprozess" schön reden wollt. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Böse bis ins Mark. Aber alle jubeln, weil uns Pluto im Wassermann heute in eine glorreiche Zukunft voller Androidensklaven führen wird. Niemals ist das so! Es gibt keine Voraussetzungen dafür. Ihr habt mit Pluto in der Jungfrau die Gen-Technik im Essen erlaubt, und heute spritzt ihr euch diese Mittel freiwillig unter die Haut. SO baut man keine erfreuliche Zukunft auf. So nicht.
Das musste jetzt auch zum zehnten Mal gesagt werden.
Als
Urvater der Pop Art wird der britische Künstler
Richard Hamilton geführt. Er zeigte 1956 eine kleine Bild-Collage:
Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?. Dieses Werk regte einen seiner Kritiker dazu an, den Begriff der
Pop Art in die Kunstgeschichte einzuführen. Die Populäre Kunst erhielt erste Erwähnungen.
Bekannt geworden aber ist Pop Art erst 1962 mit einer Reihe von fünf Einzelausstellungen in den USA. Eine dieser Ausstellungen ließ die Pop Art regelrecht explodieren. Es war die Ausstellung:
Castelli, 4 EAST 77: Roy Lichtenstein, 1962
Dies war die erste Einzelausstellung von Roy Lichtenstein (
*27.10.1923) in der bis heute bestehenden "CASTELLI Gallery" in New York. Der Galerist Leo Castelli eröffnete seine erste Galerie
1957 in seinem Wohnzimmer. Von dort aus wurde der in Triest geborene Kunsthändler damals schnell zur Schnittstelle der europäischen und der amerikanischen Kunstszene.
Die Ausstellung wurde am 10. Februar 1962 eröffnet. Als Zeit kann man 18 Uhr annehmen. Castellis Shows eröffneten meist zwischen 18 und 19:30 Uhr.
Zum Glück ist überliefert, welche
Bilder in der Ausstellung gezeigt wurden.
Darunter waren:
The Kiss (
1961),
Washing Machine (
1961),
Turkey (1961),
The Refrigerator (
1962),
Blam (
1962),
The Grip (
1962),
The Engagement Ring (
1961) und
Laughing Cat (
1961).
Sie finden alle angeführten Bilder im online-Katalog: Andrea Theil, Roy Lichtenstein: A Catalogue Raisonné. New York: Roy Lichtenstein Foundation. lichtensteincatalogue.org.
Lichtensteins Quellmaterial für seine Bilder waren vertraut: Es waren Kriegs- und Romantik-Comicstrips inklusive G.I. Kampf und All-American Men of War. Oder Secret Hearts und Girls Romances für Gemälde wie
Engagement Ring und
Blam, oder Massenmarktwerbung.
The Refrigerator basierte auf einer Backpulver-Anzeige. Die
Laughing Cat entsprang einem Paket Katzenfutter oder -streu. Pop Art war Kitsch: eben populäre, kommerzielle Kunst.
Ihre Ausdrucksmittel widersetzten sich der gültigen Kunstform radikal. Sie repräsentierten nicht mehr das Einzigartige, sondern das Gewöhnliche und Alltägliche. Sie verbargen nichts im Abstrakten, sondern zeigten plakativ den Alltag. Die Farben waren grell, hell, kontrastreich. Die Flächen eindimensional, wie gedruckt. Und vieles war tatsächlich gedruckt, vervielfältigt, tausendfach kopiert.
Das Horoskop der Pop Art
Ob der Ascendent so wirklich stimmt? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, denn eine Uhrzeit zur Eröffnung der Ausstellung war nicht zu finden. Wenn er stimmt, ist er aber eine echte Sensation!

10.02.1962 um 18 Uhr in New York
Das in hohem Maße Auffällige dieses Horoskops ist die Betonung des Tierkreiszeichens Wassermann mit seinem Planeten Uranus.
Der Ascendent steht hier am Ende des Zeichens Löwe, in genauer Konjunktion mit dem Planeten Uranus.
Das Leben, das Spiel, das Gestalterische (
Löwe) wird auf den Kopf gestellt (
Ur).
Dies ist die Anlage, die Angelegenheit, um die es geht, die sich über den Ascendenten in Erscheinung bringt.
Uranus ist deshalb der herausgehoben wichtige Deutungspunkt des Horoskops.
Uranus ist in Haus sechs und Haus sieben beheimatet, und er hat gleich sechs Planeten im Gepäck: Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Dieses Gemisch der menschlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ist damit im 6. Haus – den Lebensbedingungen – versammelt. Diese Lebensbedingungen brauchten offenbar dringend eine Erneuerung (
Wassermann), so sehr drängten sie mit Uranus an den effektivsten Punkt des Aufscheinens im Horoskop.
Mich begeistert dieses Bild ungeheuerlich, denn es drückt all das aus, was die Pop Art Künstler vermutlich sagen wollten:
Sprengt die Konventionen!
Robert Indiana setzte mit seinen typographischen Werken einen wunderbaren Akzent zwischen Bild und Text.
Sprengt die Konventionen! Befreit euch von der Last des Vergangenen! Dieses uranische Manifest am Ascendenten erklärt, warum Lichtensteins Werke damals wie ein Schock wirkten. Es ging nicht um ein leises Werden, sondern um einen lauten Knall – eben:
BLAM!, wie eines seiner berühmtesten Bilder heißt. Die geballte Kraft im 6. Haus zeigt uns: Die Kunst stieg vom Sockel herab und zog direkt in die Regale der Supermärkte und die Wohnzimmer der Menschen ein.
Das Zeichen Wassermann
Warum ist es so aufregend, dass die Grundqualität der Pop Art unter dem Signum des Tierkreiszeichens
Wassermann zu finden ist?
Nimmt man astrologische Bücher zur Hand, dann sind immer die Eigenschaften
Individualität, Kreativität und Freiheitsliebe hervorgehoben. Daran sieht man schon, dass die Energie des Wassermann-Zeichens eine Grundkraft der Kunst an sich ist. Jeder Künstler braucht seine Eigenheiten und Eigenarten. Kunst ist in aller Regel ein schöpferisch-kreativer Vorgang. Wassermann ist dabei die Inspirationsquelle schlechthin, die durch die Gestaltungskraft des Löwen in die Welt gebracht wird: Als Bild, als Gesang, als Text.
Uranus ist der Blitz in der konkreten Welt.
Und Uranus ist der Geistesblitz in der abstrakten Welt.
Die Zeit der 1960er Jahre ist astrologisch durch das Planetenpaar
Uranus-Pluto geprägt. Im Zeichen Jungfrau geht es um die Lebensbedingungen schlechthin. Was essen wir? Wie kleiden wir uns? Welche Freiheiten soll der Einzelne haben? Wie arbeiten wir? Pluto hat damals leider viele heutige Irrtümer gesetzt, indem er aus den Millionen Tante-Emma-Läden bis heute fünf Discounter machte. Das Thema des Konsums wurde also seinerzeit stark betont. Uranus, der Rebell, malte die Suppendose, den Kühlschrank, den Comic. Er durchbrach die Konzernschranken zumindest auf der Ebene der Kunst, und auch in vielen anderen Bereichen. Während die Konzerne sich bildeten, formierte die Gesellschaft für sich die Bürgerrechtsbewegungen und die individuellen Freiheitsrechte.
Seit 2023 wandert Pluto durch das Zeichen Wassermann. Das hat eine sehr ähnliche Wirkung wie der Aspekt Uranus-Pluto. Wir erleben ja wieder eine Revolution, diesmal nicht die Revolution des Marktes (
Jungfrau), sondern eine Revolution des Geistes (
Wassermann). Die digitale Welle in der Kunstwelt waren ab 2021 nur kurzlebige Phänomene: Es kamen in der Bugwelle von BitCoin die NFT-Zertifikate, die Non-Fungible Tokens. Mit Ihnen kann man digitale Werke fälschungssicher signieren. Ebenso sorgte die Versteigerung der Bildcollage
Beeple für Aufsehen. Das digitale Werk wurde für 69 Millionen Dollar versteigert. Aber der Hype war nur eine Wasserglas-Tsunami.
Die große Revolution mit
Pluto im Wassermann ist derzeit die sogenannte
KI-
Künstliche Intelligenz, also eine Maschine, die bereits Vorhandenes abgleicht. Bislang eine überbewertete Maschinenleistung mit einem unfassbar schädlichen Einfluss auf die Gesellschaften weltweit.
Freiheit, darum geht es beim Wassermann immer wieder. Er ist kein Mitläufer, er bewegt sich gegen den Strom, egal, was die anderen dazu denken und sagen. Wassermänner tanzen immer etwas aus der Reihe und werfen bestehende Ordnungen über den Haufen. Sobald etwas zur Gewohnheit wird, verlieren Sie das Interesse daran. Das Neue, das Unbekannte und Abenteuerliche wirkt auf sie einen starken Reiz aus. Frische Luft ist für Sie so wichtig, wie für den Stier die Sicherheit. Der Wassermann repräsentiert den Fluss der Gedanken und Ideen, die er mit der Welt teilen will, ja teilen muss.
Sehen Sie sich das Horoskop zur Ausstellung oben an: Sechs Planeten stehen im Zeichen Wassermann.
Das geschieht die zehn Jahre vorher nicht, und auch die zehn Jahre nachher nicht. Es ist schon eine starke Zeit. Eine Woche später erlebte Deutschland keinen Kunstaufbruch, aber die große Sturmflut in Hamburg. Das zeigt die immense Kraft, die in diesem Monat steckte!
Der Steinbock
Helmut Schmid widersetzte sich damals auch allen Regeln und Verordnungen und holte die Bundeswehr und die Nato zu Hilfe, um den Tausenden in den Fluten zu helfen. Er hatte den Transit Uranus genau auf seinem Saturn: Die Regeln wurden gesprengt. Und alle waren dafür dankbar.
Zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop Art zählt
Claes Oldenburg, der selbst ein Wassermann war, so wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Lichtenstein (
27.10.1923) hatte bei seinem künstlerischen Durchbruch selbst den Uranus im Aspekt zu seiner Skorpion-Sonne:
dem Leben eine Wende geben, habe ich das genannt. Und was für eine Wende!
Genau der Monat Februar 1962 war die richtige Zeit, um der Welt Pop Art zu schenken!
BLAM! ist das Wort, das den explosiven Klang repräsentiert, den die Leinwand erzeugt, die Onomatopoesie.
Quelle kleines Bild:
Designed by winkimages / Freepik
LOVE Skulptur von Robert Indiana, an der Ecke 6th Avenue und 55th Street in Manhattan, NY.
User: Hu Totya
Blam
Eigenkreation